Wir über uns

ERnst und GuidoBei den Thierfelders ist die Geschichte des Motorsports auch Familiengeschichte. Schon 1927 fuhr Ernst Thierfelder Senior einen Bugatti zur Eröffnung des Nürburgrings. Doch die wichtigsten Erinnerungsstücke stehen in der Oberlarer Werkstatt auf dem Schellerod. 1977 holte Ernst Thierfelder „Junior“ auf einem Simca den Meistertitel im Langstreckenpokal auf dem Nürburgring. Hinzu kamen unzählige Erfolge im Rallye- und Rundstreckensport, vor allem in der Tourenwagen-Europameisterschaft, wo der Privatier teilweise mit gebrauchten Ersatzteilen und brettharten Uralt-Reifen auskommen musste, nur um am Ende doch den arrivierten Werksteams auf- und davonzufahren.

Seit 1990 ist in der dritten Generation auch Sohn Guido für’s Gewinnen zuständig. Nach diversen Einzelerfolgen tat er es in 1992 seinem Vater nach und holte zusammen mit seinem Partner Dirk Adorf mit einem Citroen AX genau 15 Jahre später ebenfalls den Gesamtsieg in der VLN nach Troisdorf. Es folgten viele Jahre in diversen Markenpokalen, bevor Guido 2005 der nächste große Coup gelang: Er wurde auf Citroen Saxo VTS Deutscher Meister in der Division 2 der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft für Fahrzeuge bis 1.600 ccm! Im darauffolgenden Jahr – die Serie hieß jetzt ADAC Procar Division 2 – gelang ihm gegen starke Konkurrenz in einem packenden Finale die Titelverteidigung, und zusammen mit Guido’s Teamkollegen Michael Bohrer, der Vize-Meister wurde, holte ETH Tuning unangefochten den Gesamtsieg in der Teamwertung. Auch 2007 holte kein Team so viele Punkte wie die Mannschaft um Ernst Thierfelder.

Dass Ernst Thierfelder die Passion seines Vaters fortführte, der allerdings schon vor dem Zweiten Weltkrieg vom Bugatti-Sportwagen hin zu Motorrädern gewechselt hatte, war nicht selbstverständlich. Seine Mutter verbot ihm zunächst, Rennen zu fahren – wohl auch, weil ein dem Motorsport ergebener Onkel tödlich verunglückt war. Und Ernst kann das heute sogar verstehen: „In den 50er Jahren gab es fast bei jedem Rennen Tote.“ Doch die Zeiten haben sich geändert. „Heute ist eine Fahrt auf der Rennstrecke viel sicherer als im Straßenverkehr“, sagt sein Sohn Guido.

Trotzdem begann Ernst Junior schon als Jugendlicher, heimlich an Fahrzeugen herumzuschrauben. In einem Kaninchenstall hatte er bei einem Freund ein Moped versteckt, erinnert sich der Senior, der aber auch alte MG, Austin, BMW und DKW oder Motorräder von Horex und NSU auf Vordermann brachte. Trotz allem, zunächst machte er eine Ausbildung zum Innendekorateur. 1972 baute er seine erste Werkstatt in Siegburg auf. „Das habe ich allerdings nur gemacht, um später Rennen zu fahren.“ Der Name seines Tuning-Betriebes ETH (Ernst THierfelder), sprach sich schnell herum, so dass Thierfelder für immer mehr Fahrer auf Basis von Serienfahrzeugen Rennwagen baute. Für ihn macht nicht etwa das Risiko die Faszination des Motorsports aus, sondern vielmehr, dass man nirgendwo besser zeigen kann, was man als Mechaniker kann. „Wenn das Team dann noch gewinnt, ist das einfach eine unglaubliche Bestätigung.“

Auch wenn heute in aller Regel der Computer zur Fehlerdiagnose in den Werkstätten herangezogen wird, erkennt man einen guten Mechaniker immer noch daran, dass er mit dem „Popometer“ arbeitet. Mit dem Allerwertesten könne ein guter Mechaniker sofort registrieren, wenn mit dem Auto etwas nicht stimmt, so Thierfelder.

Heutzutage ist „Motorsport betreiben“ allerdings alles andere als einfach. An erster Stelle steht leider wie so oft das Geld. Früher standen Motorsport-Enthusiasten Schlange, um als Helfer mit an den Nürburgring fahren zu dürfen. Am Rennauto schrauben zu dürfen, war eine Ehre und geschlafen wurde in der Box, im Zelt oder einfach im Truck. Heute dagegen, vergleicht Ernst Thierfelder, erwartet jeder im Team, dass er bezahlt wird und das Catering muss vom Feinsten sein. Selbst das Fahrertalent spielt anscheinend keine große Rolle mehr. Die Investitionen ins Auto selbst sowie die Einsatz- und Transportkosten können ohne Sponsoren nicht mehr bewältigt werden, sodass leider nicht immer der schnellste und talentierteste Pilot hinter dem Lenkrad sitzt sondern derjenige, der die notwendige „Mitgift“ vorweisen kann.

Eines aber hat sich in diesen drei Generationen nicht geändert: „Wenn man im Rennen ein paar Mal nur ganz knapp an der Leitplanke vorbeigeschrammt ist und am Ende trotzdem auf dem Siegertreppchen steht… dann spürt man einfach, dass man lebt. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.“